Ein Schweizer Startup hat möglicherweise einen Weg gefunden, die Solarstromkapazität des Landes zu erweitern, ohne zusätzliches Ackerland in Solarparks umzuwandeln. Anstatt Land für neue Solarpanel-Installationen freizumachen, startete Sun-Ways ein Pilotprojekt, das bereits erschlossenes Land für einen anderen Zweck nutzt: Eisenbahnschienen. Die abnehmbaren Solarmodule des Unternehmens passen in den ungenutzten Raum zwischen den Schienen und verwandeln Bahngleise in eine Energiegewinnungsinfrastruktur, ohne den Zugbetrieb oder die Fahrpläne zu beeinträchtigen. Das Sun-Ways-Pilotprogramm läuft seit über einem Jahr und umfasst nur 100 Meter (328 Fuß) Gleis in Neuchâtel, Schweiz. Erste Ergebnisse scheinen vielversprechend und andere Länder, darunter Italien und Südkorea, erwägen ähnliche Tests.
Die französische SNCF gab im Februar 2026 ihre Partnerschaft mit Sun-Ways bekannt, um das Pilotprojekt des Startups zu untersuchen, das voraussichtlich bis April 2028 in der Schweiz betrieben wird. Ein italienisches Unternehmen hat laut Euronews eine Vereinbarung mit Sun-Ways unterzeichnet, um ein ähnliches Pilotprojekt in Italien zu starten. In dem Bericht heißt es außerdem, dass Sun-Ways plant, ähnliche Solarmodule in Südkorea zu installieren, und nennt China, Indien, Singapur und die Niederlande als weitere Interessenten. Weitere Interessenten sind laut Sun-Ways Belgien, Kanada, Mexiko und die Vereinigten Staaten.
Zwischen den Gleisen angebrachte Sonnenkollektoren würden die Züge selbst nicht mit Strom versorgen, obwohl dies eine zukünftige Stromnutzung sein könnte. Die nationale Bahngesellschaft der Schweiz, SBB, betreibt bereits 100 % erneuerbare Energien, ein Ziel, das am 1. Januar 2025 erreicht wurde. Energie stammt aus mehreren Quellen, darunter Wasserkraft, Sonne und Wind. Die SBB arbeiteten bei diesem ersten Pilotprojekt nicht mit Sun-Ways zusammen.
So funktionieren Sun-Ways-Solarmodule
Die Module wurden im April 2025 in der Nähe des Dorfes Buttes im Kanton Neuenburg installiert. Das Pilotprojekt umfasst 48 Photovoltaikmodule, verteilt auf 100 Meter Bahnstrecke. Jedes Panel ist etwa 2 Meter (6,55 Fuß) lang und hat eine Nennleistung von 380 Watt Peak (Wp), was der maximalen Leistung unter Spitzenbedingungen entspricht. Die gesamte Anlage kann theoretisch maximal 18 kWp erzeugen. Sun-Ways schätzt, dass die Anlage 16.000 Kilowattstunden bzw. 16 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugen kann.
Im Gegensatz zu anderen schräg installierten Photovoltaikmodulen werden die Solarmodule von Sun-Ways flach zwischen den Gleisen platziert, sodass Züge sicher darüber fahren können. Eine spezielle Scheuchzer-Bahnmaschine transportiert und entfaltet die Paneele, die anschließend mit einem an den Schwellen befestigten System verbunden werden. Laut Sun-Ways könnte das Installationssystem möglicherweise etwa 300 Meter (985 Fuß) Solarmodule pro Stunde einsetzen, obwohl diese Schätzung über das 100-Meter-Pilotprojekt hinaus noch nicht nachgewiesen wurde. Zur Wartung der Schienen müssen die Paneele möglicherweise entfernt werden, das System ist jedoch darauf ausgelegt, dies zu ermöglichen. Eine Baugruppe aus drei Paneelen mit einer Länge von etwa 6 Metern (19,7 Fuß) kann in etwa 10 Minuten abgenommen werden.
Auch Solarmodule müssen sauber sein, um effizient Strom zu erzeugen. Ursprüngliche Pläne sahen die Montage von Bürsten unter den Zügen vor. Tests zeigten jedoch, dass der durch die vorbeifahrenden Züge erzeugte Luftstrom ausreichte, um die Ansammlung von Staub zu verhindern. Nach mehr als einem Jahr Betrieb lieferte das Pilotprojekt auch Daten zur saisonalen Trümmeransammlung. Die Paneele verfügen außerdem über eine Antireflexbeschichtung, um die Blendung zu reduzieren, die den Lokführern schaden könnte.
Wie viel Energie könnten Solarbahnen produzieren?
Sun-Ways schätzt, dass 100 Meter Solarpaneele rund 16.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren können, was ausreicht, um etwa drei bis vier Schweizer Haushalte mit Strom zu versorgen. Würde die Technologie auf dem 5.320 Kilometer langen Eisenbahnnetz der Schweiz eingesetzt, könnte sie etwa 1 TWh Strom pro Jahr produzieren, was etwa 2 % des jährlichen Stromverbrauchs des Landes entspricht. Dies würde ausreichen, um rund 300.000 Haushalte zu versorgen, wobei unklar bleibt, ob die Schweiz diese Technologie nach Abschluss des Pilotprojekts weiterentwickeln wird.
Laut Sun-Ways produzierte das Pilotprogramm zwischen Mai 2025 und Juni 2026 mehr als 16.000 Kilowattstunden Strom, was den Schätzungen des Unternehmens entsprach, obwohl es in diesem Zeitraum etwa einen Monat lang offline war. Mehr als 11.000 Züge sind mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 Kilometern pro Stunde durch die Anlage gefahren. Das System ist derzeit darauf ausgelegt, Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Kilometern pro Stunde (93 Meilen pro Stunde) zu unterstützen, was seinen Einsatz in Ländern einschränken könnte, in denen Hochgeschwindigkeitszüge diese Höchstgeschwindigkeit überschreiten, darunter Frankreich, Italien und Südkorea.
Auch das Klima in der Schweiz könnte die Energieproduktion im Vergleich zu sonnigeren Regionen einschränken. Wenn sich die Technologie als wirtschaftlich rentabel erweist, könnten Länder mit höherer Sonneneinstrahlung, wie Italien und Südfrankreich, möglicherweise noch mehr Strom aus ähnlichen Anlagen produzieren.